Westworld bringt den Western zurück

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Es hat sich längst herumgesprochen, dass HBO mit „Westworld“, einer Neuauflage des Films von Michael Crichton („Jurassic Park“) ein Volltreffer gelungen ist. Die Serie läuft derzeit auf Amazon Video und belebt dabei ein längst totgesagtes Genre zurück: den Western.

Worum geht es?
Findige Ingenieure haben einen riesigen Themenpark a lá Wild West errichtet, in dem künstliche Menschen, sogenannte „Hosts“, den Besuchern jede Menge Abenteuer bieten: Schatzsuchen, Schießereien, Saloonbesuche und echtes Westernfeeling. Das Problem: Die künstlichen Menschen entwickeln langsam ein eigenes Bewusstsein und haben genug davon, als Kanonenfutter und lebendige Schaufensterpuppen zu dienen und wagen den Aufstand. Dabei geht es in der Serie um sehr viel mehr: Philosophie, Gotteswahrnehmung und Selbstbestimmung. Die Schöpfer der Hosts werden in dem Themenpark gleichsam zu Göttern – mit sehr menschlichen Eigenschaften. Spannung, Schrecken, jede Menge Blut und Peng-Peng aber auch der Tiefgang kommen nicht zu kurz.

Was macht Westworld so besonders?
Genretechnisch wurde der Western schon dutzende Male für tot erklärt. Er entstand zeitgleich mit dem Krimi, doch während dieser sich weiter entwickelte, heißt es spätestens seit dem Ende der 1970er, der Western interessiere nur noch eingefleischte Fans. Westworld aber zeigt, was im Western alles möglich ist: Figuren sind auf sich selbst gestellt und entdecken so ganz neue Seiten an sich. Das Recht des Stärkeren zählt und bringt das Beste und das Schlimmste in den Menschen zum Vorschein. Goldsucher, Glücksritter und Abenteurer nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und entdecken dabei die Freiheit – die viel zu oft auf Kosten anderer geht. Von jeher war der Western eine Projektionsfläche für die Sehnsucht nach einer anderen, einer freieren, einer abenteuerlichen Welt mit ihren eigenen Regeln und genau dem wird Westworld absolut gerecht. Gleichzeitig verbindet es dieses Narrativ mit einem der spannendsten Genres der Gegenwart, der Dystopie.
Ganz klar: Bei Westworld liegt der Geruch von Schießpulver in der Luft, miese Verbrecher wechseln sich mit edlen Helden ab und auch die Farmschönheit fehlt nicht. Wer nun aber von wandelnden Klischees ausgeht, hat weit gefehlt: innerhalb der Westernkulisse, die voll von Anspielungen auf die guten, alten Italo-Western ist, entwickeln die Charaktere vielschichtige Handlungen, in denen die ganz großen Fragen des Menschseins verhandelt werden und viele Rückschlüsse auf die ultratechnologisierte und durchkapitalisierte Welt der „Schöpfer“ zulassen. Und – wie sollte es anders sein – die Einzigen, die von Anfang an den Durchblick haben, sind die Indianer.

Fazit
Absolute Empfehlung. Mit Westworld hat sich der Western neu erfunden und zeigt, wie zeitgerecht dieses Genre ist. Wir sollten alle mehr Western lesen, gucken – und schreiben!

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