Weiße Indianer, Grenzgänger zwischen den Kulturen in Nordamerika

von Marin Trenk
Hardcover A5, 323 Seiten
ISBN: 978-3-940528-74-2
Preis: 24,80 € (inkl. gestzl. MwSt)

Nach 1492 wurde Nordamerika mehrere Jahrhunderte lang zum Tummelplatz für kulturelle Überläufer und Grenzgänger aller Art. Teils freiwillig und teils gegen ihren Willen, wechselten Europäer – neben Männern auch viele Frauen und Kinder – die Seiten und führten ein Leben als weiße Indianer. Daneben gab es auch Grenzgänger afrikanischer und indianischer Herkunft.

Der in Frankfurt am Main lehrende Ethnologe Prof. Marin Trenk reiste auf seiner Spurensuche kreuz und quer durch die USA und Kanada und stöberte in Bibliotheken und Archiven. Dabei wurde schnell klar, dass die Zahl dieser Wanderer zwischen den Welten in die Tausende ging.

„Weiße Indianer“ spürt ihren abenteuerlichen Schicksalen nach und erzählt ihre faszinierende Geschichte.

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Rezension "AmerIndian Research" - 04 / 2009
Der in Fankfurt am Main lehrende Marin Trenk hat zusammen mit Studenten eines Spezialseminars ein Thema untersucht, das von jeher fasziniert und viele Fragen aufwirft. Ließ sich doch in Nordamerika besonders stark beobachten, dass viele Europäer freiwillig den Weg in die indianische Gesellschaften suchten. Hinzu kam eine nicht unbedeutende Menge von gewaltsam verschleppten Personen beiderlei Geschlechts. Und auch von diesen zogen es viele vor, letzten Endes bei den Indianern zu bleiben. Wenn sie nach Jahren wieder in die sogenannte Zivilisation zurückkehrten, hatten sie Anpassungsprobleme – und wurden von den “Weißen” nicht mehr akzeptiert.

Trenk stell sehr anschaulich dar, warum es so viele Europäer zu den so bezeichneten “Wilden” zog, und stellt eine große Zahl von Beispielen vor. Dabei sind auch Beispiele zu verzeichnen, wo Protagonisten den umgekehrten Weg gehen – jedoch sind diese bei weitem nicht so zahlreich Es gibt wenige “indianische Weiße”.

Das Buch ist eine äußerst spannend zu lesende Ansammlung biografischer Skizzen. Oft sind es Aussteiger aus der Gesellschaft, die es vorziehen, fernab jeglicher Zivilisation bei den Indianern zu leben, weil sie deren Lebensweise faszinierend finden. Dabei ist beispielsweise die Lebensgeschichte des Schweizer Malers Rudolph Friedrich Kurz sehr interessant. Kurz, heute kaum bekannt, ging nach Amerika, um die indianische Kultur kennen zu lernen, heiratete sogar eine Indianerin. Seinen Weg kann man als Kulturflucht bezeichnen. Und er war nicht der Einzige, der diesen Weg nahm. Trenk hat den Lebensweg dieses Malers, der im Zuge der intensiven Beschäftigung mit Bodmer auch bei anderen Forschungen ins Rampenlicht rückte, aufgezeichnet.

Das Buch stellt Personen vor, die zumindest vom Namen her vielen Lesern bekannt vorkommen dürften. Dazu gehören Etienne Brulé, Cynthia Ann Parker, John Tanner oder Frank Hamilton Cushing. Aber ebenso hat der Verfasser mit seinem Team viele unbekannte Menschen der Vergessenheit entrissen und stellt ihre Schicksale hier vor. Dabei werden alle Facetten beleuchtet: die freiwillige Zivilisationsflucht in die Wildnis oder Raub und anschließende Adoption durch die Indianer. So lernt der Leser dann auch Christian Gottlieb Prieber kennen, der wie Karl May aus Sachsen stammt und in Zittau sogar als Anwalt gearbeitet hat. Möglicherweise musste er die Stadt aber aus politischen Gründen verlassen und kam dann Mitte der 30er Jahre des 18. Jhrhunderts zu den Cherokee. Dort errang er eine hohe Stellung – aber das kann man im Buch nachlesen.

Zahlreiche Illustrationen machen das Buch auch visuell zu einem Erlebnis und vermitteln dem Leser einen hervorragenden Überblick über ein spannendes Thema. Umfangreich recherchiert und hervorragend präsentiert, ist dieses Buch für alle, die sich für die nordamerikanischen Indianer interessieren, von großem Interesse.

Mario Koch

Rezension "Magazin für Amerikanistik" - 04 / 2009
Unter dem Begriff „Weiße Indianer” sind Menschen weißer Hautfarbe erfasst, die aus unterschiedlichen Gründen ihr Leben oder zumindest einige Jahre bei Indianervölkern in Nordamerika verbracht haben -freiwillig oder unfreiwillig. Meist wurden sie entführt, gerieten in Gefangenschaft, wurden adoptiert, heirateten in Stämme ein und wurden Teil dieser Ihnen ursprünglich fremden Kultur.

Wie sie diese Entwicklung bestanden, wie sie sie verarbeiteten, wie ihr Leben verlief, das alles ist seit Jahren Gegenstand der Forschungen von Professor Dr. Marin Trenk.

Es gab einmal eine Zeit, da waren sogenannte „Captivities”, Berichte von Personen, die einstmals bei Indianern gelebt hatten und später darüber erzählten, geradezu „Bestseller” und wurden begierig gelesen. Irgendwann gerieten sie fast in Vergessenheit. Dabei sind ihre Schicksale nicht nur bewegende Zeitzeugnisse, sie sind auch einzigartige Quellen für die Lebenswelt der indianischen Völker, da sie ein Insider-Wissen über Alltag und Denkweise der Native Americans vermitteln, das z. B. Reisende, die nur kurzfristig bei Indianerstämmen weilten, kaum zuteil wurde.

In 10 Kapiteln bieten Marin Trenk und seine 7 Mitautoren ein packendes Kaleidoskop von menschlichen Schicksalen, die ein breites Spektrum indianischer Kulturen repräsentierten. Es geht beispielsweise um den „Lord der Mohawk” (Joseph Brant), um John Norton, einen Schotten, der sogar im Rat der Irokesenliga saß. Es geht um Thomas Leforge, einen „weißen Crow-Indianer”, um Cynthia Ann Parker und um „Herman, den Comanchen”. Das Autorenteam um Trenk befasst sich aber auch mit grundsätzlichen Fragen, wie dem „Wunsch, ein Indianer zu sein” und mit der „Indianisierung weißer Gefangener”, sowie mit der „Faszinationskraft archaischer Kulturen”. Es werden Menschen vorgestellt, die zwischen den Kulturen wechselten, wie es besonders in der Zeit des großen Pelzhandels üblich war, als Händler und Trapper mal in der weißen, mal in der indianischen Welt lebten.

Alles in Allem handelt es sich um ein hochinformatives Werk, sorgfältig dokumentiert und wissenschaftlich fundiert. Seit vielen Jahren die erste deutsche Veröffentlichung, die sich mit dieser Thematik auf hohem Niveau beschäftigt und selbst als Quellenwerk bezeichnet werden kann, aufgrund dessen weitergehende Studien möglich sind.

Eine gelungene Veröffentlichung, die trotz wissenschaftlichem Anspruch spannend zu lesen ist.

Dietmar Kuegler

Rezension "UniReport" - 01 / 2010 (Frankfurter Goethe Universität)

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